Sprachassistenten: Unternehmen suchen verstärkt nach Entwicklern für Voice Apps

Auch in diesem Jahr werden die Stimmen über den Trend “Voice Search” nicht leiser. Im Gegenteil: Auch auf dem Jobmarkt tut sich mittlerweile so einiges. Der Markt öffnet eine neue Spezialisierung, die sehr anspruchsvoll, dafür aber sehr zukunftsorientiert und vielversprechend ist. Unsere Gastautorin Laura Jentsch von Joblift berichtet von Unternehmen, die gezielt nach Entwicklern für Voice Apps suchen.

Millionen Smart Speaker wurden seit 2017 deutschlandweit verkauft, mit Apples Markteintritt vor wenigen Wochen gehört schließlich auch der HomePod mit der digitalen Assistentin Siri dazu. Die zunehmende Verbreitung dieser Geräte führt zu einer verstärkten Nutzung von Sprachassistenten. Der Trend Voice Search eröffnet neue Möglichkeiten im Marketing: Voice Interfaces könnten sich zur nächsten großen Plattform für die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine entwickeln.

Voice App Experten gesucht Jan König - Gründer von Jovo

Als Jobbörse haben wir Zugriff auf alle 15 Millionen Stellenanzeigen der letzten zwei Jahre und haben untersucht, ob Unternehmen bereits an Konzepten für eigene Voice Apps arbeiten. Und tatsächlich, die Nachfrage nach Expertise im Bereich der digitalen Sprachassistenz stieg im letzten Jahr rapide an: Von rund 2.000 neuen Stellen in den vergangenen 24 Monaten entstanden 1.400 seit Juni 2017. Die Voice Jobs haben sich also mehr als verdoppelt! Woran das liegen könnte und welche Unternehmen besonders von einer solchen App profitieren würden, haben wir Jan König gefragt. Der Gründer und CEO des Voice Entwicklertools Jovo beschäftigt sich seit über zwei Jahren mit Sprachinterfaces und hilft Unternehmen dabei, das neue Medium zu verstehen und einzusetzen.

Start-ups oder Konzerne – wer hat die Nase vorn?

„Für kleine Unternehmen und Start-ups bieten Voice Apps die Möglichkeit, sich früh als Vorreiter zu etablieren und einzelne Features zu besetzen. Wenn man als Fitness-Plattform die App ist, die bei >>Alexa, ich möchte ein Workout machen<< geöffnet wird, hat man einen enormen Vorteil gegenüber der Konkurrenz, die später dazu stößt”, hat uns Jan verraten. Trotzdem scheinen kleineren Unternehmen momentan oft noch die Ressourcen für die Entwicklung von Sprachassistenten zu fehlen: Nur rund ein Drittel der Stellenanzeigen stammt von Firmen mit weniger als 50 Angestellten, während mehr als die Hälfte der Jobs in Großkonzernen mit mehr als 1.000 Beschäftigten entsteht.

Der Markt verändert sich laufend

Das könnte sich allerdings in Zukunft wandeln, denn in kleinen Unternehmen und Start-ups haben sich die Voice Jobs im letzten Jahr mehr als verfünffacht. Dagegen fiel das Wachstum in den Konzernen mit 65 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eher mittelmäßig hoch aus. Unser Experte Jan erklärt: „Der Voice Markt ist momentan noch zu klein, um in Konzernen den Return on Investment (ROI) wirklich zu messen. Man kann aber aktuell vor allem bei Handelsketten oder Versicherungen beobachten, dass sie sich aktiv auf den wachsenden Markt vorbereiten und sich intern mit dem Thema Sprachsteuerung beschäftigen.“

Alexa, Siri oder Google Assistant?

Aber welche Erfahrungen solltest du mitbringen, um im Voice Bereich Fuß zu fassen? Zuerst einmal scheint das am weitesten verbreitete System bisher der Sprachassistent von Amazon zu sein. Alexa wurde über 800 Mal in Stellenanzeigen erwähnt, mehr als doppelt so oft wie Googles Assistant und Siri – Erfahrungen mit Alexa Skills sind also auf jeden Fall von Vorteil. Laut Jan von Jovo lässt sich dieser Vorsprung auf den sechs Monate früheren Markteintritt von Amazons Smart Home System Echo in Deutschland zurückführen, der sich auf die Nutzerzahlen und die generelle Sichtbarkeit im Markt ausgewirkt hat.

Sprachassistenten

Das solltest du können, um Voice Apps zu entwickeln

Momentan werden vor allem Informatikerinnen und Informatiker im Voice Bereich gesucht: Die drei gefragtesten Berufe nach der Zahl der neuen Stellen sind Software Engineer mit 194 Ausschreibungen, Java Developer mit 96 und Web Developer mit 82 Gesuchen in den letzten 24 Monaten. Im Moment konzentrieren sich Unternehmen erst einmal auf die technische Umsetzung, wobei besonders die Programmiersprachen Node.js und Python verwendet werden. Unser Voice Experte bezweifelt aber, dass das so bleiben wird.

Spracherkennung erfordert mehr als maschinelles Lernen

Beim Sprechen kommunizieren wir sehr viel selbstverständlicher und intuitiver mit einem technischen Interface als sonst. „Wegen der sehr natürlichen Art der Interaktion sollten früh Personen in das Design und die Entwicklung einbezogen werden, die ein Verständnis für Sprache haben – beispielsweise mit einem Hintergrund in den Bereichen Dramaturgie, Linguistik oder Interaktionsdesign.“, so Jan. Einen technisch einwandfreien Machine-Learning-Algorithmus zu konstruieren wird also bald nicht mehr ausreichen, um eine gute Voice App zu entwickeln.

Neue Berufe entstehen – der Voice User Interface Designer

In Zukunft werden deswegen wohl neue Profile entstehen, die auf das Design und die Umsetzung von Voice Apps spezialisiert sind. Ähnlich wie der User Interface (UI) oder der User Experience (UX) Designer könnte der Voice User Interface (VUI) Designer alle Interaktionen des Nutzers mit der Voice App gestalten. Gerade nachdem Projekte mit Sprachassistenten die Anfangsphase verlassen haben, in welcher der Fokus auf technischen Lösungen liegt, werden solche Schnittstellenfunktionen zusätzlich wichtig. Tatsächlich haben wir herausgefunden, dass in den letzten zwei Jahren bereits rund 60 Jobs explizit für VUI-Designer entstanden sind.

Fazit: Voice First könnte die Zukunft sein

Unsere Daten zeigen, dass sowohl große als auch kleine Unternehmen das Thema Sprachassistenten auf dem Radar haben. Jetzt zählt es, mit guten Voice Apps möglichst viele User zu erreichen – und zwar durch eine solide technische Lösung mit durchdachter Benutzeroberfläche. Nach Mobile First könnte die Interaktion per Sprache unseren Zugang zu Produkten und Dienstleistungen komplett verändern. Für diesen Wandel sollten Unternehmen gerüstet sein und weiterhin interne Expertise aufbauen, um sich das Thema Voice zu erschließen.

Über Jovo

Jovo hilft Unternehmen dabei, Sprachinterfaces als neues Medium zu verstehen und einzusetzen. Das Berliner Startup steckt hinter dem führenden Open Source Framework für die Entwicklung von Voice Apps für Amazon Alexa und Google Assistant. Die Gründer Alex Swetlow und Jan König beschäftigen sich seit über zwei Jahren mit dem Thema Sprachassistenten und sind gefragte Speaker und Experten in Podcasts oder auf Veranstaltungen.

Über Joblift

Joblift ist die Jobplattform für eine intuitive und mühelose Stellensuche. Die Anwendung neuester Machine Learning- und Big Data-Technologien sorgt für eine konsequente Verbesserung des Suchalgorithmus. So gelingt es, möglichst passende Bewerber und Arbeitgeber zusammen zu bringen. In den Märkten USA, Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Frankreich und Holland arbeitet Joblift bereits mit über 4.000 Partnern zusammen und bündelt auf einer Plattform somit rund 10 Millionen Ausschreibungen.

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Laura Jentsch

Laura ist als PR & Content Marketing Managerin bei Joblift für den deutschen Markt zuständig. Trotz ihres Abschlusses in Wirtschaftsingenieurwesen interessiert sie sich nicht nur für Tech-Themen, sondern schreibt auch regelmäßig über New Work, die Digitalisierung und die deutsche Start-up-Szene. Die in Berlin und Hamburg ansässige Jobbörse veröffentlicht regelmäßig Analysen aus Stellenmarktdaten, um Entwicklungen in verschiedenen Branchen oder Berufsprofilen zu prognostizieren.

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